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63. Dortmunder 6-Tage-Rennen 
 
28.10. - 02.11.2004 

Westfalenhallen 1,2


Seit 77 Jahren Rundenwirbel in der Großen Westfalenhalle

Aus der Chronik des Dortmunder 6-Tage-Rennens

Das Dortmunder 6-Tage-Rennen ist 77 Jahre alt. Ausgetragen wird es vom 30. Oktober bis 4. November 2003 zum 62. Mal. 77 und 62 – die beiden Zahlen bedürfen der Erklärung. Und die ergibt sich aus der ebenso wechselhaften wie spannenden Geschichte des beliebten Sportspektakels.

Am 28. November 1925 war die Westfalenhalle eröffnet worden, eine imposante Holzkonstruktion mit für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ausmaßen von 110 x 86 Metern. Wie bei der heutigen Arena bestimmte auch bei der ersten Halle die Radrennbahn den inneren und äußeren Aufbau des Gebäudes. Schon zur Premiere waren die Radrennen der eigentliche Höhepunkt, und die zahlreichen Anhänger dieser Sportart brauchten dem Start der ersten Six Days nicht lange entgegen zu fiebern. 

1926 war das Jahr, als die Erdnussbutter erfunden wurde, Marilyn Monroe das Licht der Welt erblickte und die SpVgg. Fürth die deutsche Fußballmeisterschaft gewann. Und es war das Jahr, in dem das 1. Dortmunder 6-Tage-Rennen in der Westfalenhalle für (Runden-) Wirbel sorgte. Der Startschuss fiel am 4. März um 22.00 Uhr. Kurz darauf wurde in einem 5-Runden-Spurt die erste Prämie ausgefahren. Es ging um einen Anzugstoff im Wert von 6o Mark, den der Belgier De Graeve mit nach Hause nehmen durfte.

Zum 1.Dortmunder 6-Tage-Rennen waren 13 Mannschaften angetreten – sieben rein deutsche Paarungen sowie Fahrer aus Belgien, Dänemark, Frankreich, Holland und Italien. Als einziger Dortmunder startete August Thiel, und  als Sieger gingen am 10. März Fritz Knappe und Willy Rieger auf die Ehrenrunde, beide aus der damaligen Radsporthochburg Breslau. Sie und ihre Konkurrenten legten 3592 km zurück, was einem Schnitt von 24,7 Stundenkilometern entsprach.

Nach 1934 verboten

1929 skandierten die Zuschauer auf den Rängen der Westfalenhalle: „Göbel und Dinale treten die Pedale“. Bei der 4. Auflage des 6-Tage-Rennens gab es den ersten Sieg eines Dortmunder Rennfahrers. Der 25jährige Karl Göbel gewann an der Seite des Italieners Alfredo Dinale. Neun Rennen wurden in der alten Westfalenhalle ausgetragen, das letzte 1934. Kurz darauf verbot die nationalsozialistische Reichssportführung die Six Days, und die deutschen Bahn-Asse, allen voran die Dortmunder Gustav Kilian und Heinz Vopel, mussten ihr Glück auf den amerikanischen Winterbahnen suchen. Was die Nazis nicht daran hinderte, die in den USA erzielten Erfolge von Kilian/Vopel für ihre eigene Propaganda auszuschlachten.

Ab 1952

In der neuen Westfalenhalle, eröffnet am 2. Februar 1952 durch den damaligen Bundespräsidenten Prof. Theodor Heuss, schlug die Begeisterung so hohe Wellen, dass im ersten Jahr gleich zwei 6-Tage-Rennen veranstaltet wurden. Die alten Helden wie Kilian, Vopel und Walter Lohmann (Bochum), alle um die 4o, und auch der schon 50jährige Karl Göbel traten noch einmal an, als am 15. Februar 1952 die Dortmunder 6-Tage-Tradition mit dem 10. Rennen wieder aufgenommen wurde. Da möglichst alle Berufsfahrer aus Dortmund eine Chance erhalten sollten, ging man mit 17 Mannschaften an den Start. Neben Gustav Kilian, Heinz Vopel und Erich Bautz waren auch Walter Schürmann, Fritz Siefert, Günter Bintner und eben Altmeister Göbel dabei, der vor großer Kulisse seine Karriere beschließen durfte. Göbel (1929) und Dieter Kemper (1967, 1971 und 1975) sind bis heute die einzigen Dortmunder, die in der Westfalenhalle ein 6-Tage-Rennen gewinnen konnten.

Eine rein Dortmunder Paarung stand im Februar 1952 nicht am Start. Die etablierten Asse unter den Lokalmatadoren hatten erprobte Mitstreiter. Gustav Kilian fuhr mit dem Schweizer Jean Roth, genannt der „Düsenjäger“, Heinz Vopel vertraute auf den Berliner Draufgänger Heinz Zoll, Erich Bautz, der Dortmunder Rundfahrt-Spezialist, auf Hans Preiskeit aus München, mit dem er den dritten Platz belegte. Karl Göbel bestritt sein 25.und letztes 6-Tage-Rennen mit Sepp Kolbeck (München).

Sieben Dortmunder am Start – aber keiner unter den Siegern, denn die neuen Stars kamen zunächst einmal aus dem Ausland. Die Prämien von 1952 waren nachkriegsgemäß: Ein schlachtreifes Schwein, ein Zentner Sauerkraut, ein paar Pullen Schnaps zum Tauschen. Der Liebling der weiblichen 6-Tage-Gäste jener Zeit hieß Milo Carrara aus Paris, der 1952 nicht nur mit seinem Landsmann Guy Lapebie (Bordeaux) die ersten Dortmunder Nachkriegs-Six-Days  als Sieger beendete, sondern den Damen auch optisch etwas zu bieten hatte. Seine wohlgeformten, stets gebräunten und ölglänzenden Beine waren eine Augenweide. „Das machen nur die Beine von Carrara“ sangen die Westfalenhallen-Besucher nach der Melodie des Schlagers „Das machen nur die Beine von Dolores...“ Milos Beine, die waren fast so berühmt wie die von Marlene Dietrich.

Lustige Musikanten 

Gesang und Musik spielten beim 6-Tage-Rennen immer eine große Rolle. Im Laufe der Jahrzehnte entpuppte so mancher Fahrer sich auch als musikalisches Talent. Der lange Lucien („Lull“) Gillen aus Luxemburg, später erfolgreicher Bankier, siegte in der Westfalenhalle 1953 an der Seite des Italieners Ferdinando Terruzzi. Für das Publikum setzte Gillen sich ans Klavier und spielte – in diesem Rahmen doch eher ungewöhnlich – u.a. Musik von Beethoven.

Albert Fritz aus Jestetten, zusammen mit Rudi Altig 6-Tage-Sieger von 1970, griff nach Mitternacht gern zur Trompete. Gelegentlich begleitete er Horst Schütz, den damaligen Wahl-Dortmunder und späteren Steher-Weltmeister von 1984, wenn dieser sein Lieblingslied „Schützenliesel“ ins Hallenrund schmetterte.

Der Holländer Henk Lakemann verwöhnte die 6-Tage-Besucher nicht nur als pfeilschneller Sprinter, sondern auch als Operetten-Tenor und brachte es mit seiner Stimme sogar zu einem Engagement an der Oper von Amsterdam.

Besonders begehrt waren die musikalischen Einlagen von Publikumsliebling Danny Clark. Wenn der siebenmalige Dortmund-Sieger zu später Stunde ans Mikrofon trat, seine Gitarre nahm und stimmungsvolle Country-Balladen zum Besten gab, jubelte das Publikum dem Australier zu wie einem Popstar.

Aldags Jahrzehnt

Gemessen an Siegen ist Patrick Sercu (Belgien) der erfolgreichste Teilnehmer der bisherigen Dortmunder 6-Tage-Rennen. Acht seiner insgesamt 88 Erfolge hat der „6-Tage-Kaiser“ in der Westfalenhalle erzielt – mit acht verschiedenen Partnern. Auf sieben Dortmund-Siege brachte es der Australier Danny Clark. Und Rolf Aldag, jetzt in Beckum beheimatet, ist der erfolgreichste deutsche 6-Tage-Fahrer in der Arena am Rheinlanddamm. Von 1991 bis 2001 stand der Telekom-Profi sechsmal auf der obersten Stufe des Siegerpodests. Dreimal gewann er mit seinem Team-Kollegen Erik Zabel, zweimal mit Danny Clark, einmal mit dem Italiener Silvio Martinello, an dessen Seite er auch 2001 und 2002 im Berliner 6-Tage-Rennen triumphierte.

Ein Tour-Held kapituliert

Auch einige der „Unsterblichen“ des Radsports, die durch ihre Triumphe bei der Tour de France, im Giro d´Italia oder bei Straßen-Weltmeisterschaften Geschichte schrieben, wagten sich auf das 200 m lange Holzoval der Westfalenhalle – mit unterschiedlichen Erfahrungen und Erfolgen. Der große Jacques Anquetil aus Frankreich beließ es in den siebziger Jahren lieber gleich dabei, in Dortmund nur den Startschuss abzugeben. Für seinen Landsmann Bernard Hinault war der Auftritt in der Westfalenhalle das erste und einzige 6-Tage-Rennen. Er kapitulierte vor der hohen Trittfrequenz der Bahnspezialisten, stieg mit Wadenkrämpfen vorzeitig vom Rad. Der Belgier Eddy Merckx und der Italiener Francesco Moser setzten dagegen auch in Dortmund ihr Siegzeichen, gewannen 1973 bzw. 1978 und 1984.



Termine

Westfalenhallen Dortmund



Live-Mitschnitte
Udo Jürgens, Shahrukh Khan, Chris De Burgh, Peter Maffay, Westernhagen, Iron Maiden - Nur einige Namen der Künstler, die die einzigartige Atmosphäre der Großen Westfalenhalle festgehalten haben.