- Westdeutsche Mineralientage: Michael Schwickerts Gespür für Fossilien
Besonders selten ist ein Ausstellungsstück mit dem Titel „Romeo und Julia“: zwei Fische aus der Kreidezeit, die gemeinsam in einer Geode eingeschlossen waren und vom Präparator sorgfältig freigelegt wurden. Es handelt sich hierbei um einen Frauenfisch Brannerion sp. von 61 Zentimetern Länge und einen Kugelzahnfisch Neoproscinetes sp. von 28 Zentimetern Länge. Das etwa 115 Millionen Jahre alte Fossil wurde von den erfahrenen Paläontologen Annesuse Raquet-Schwickert und Michael Schwickert von fossils worldwide aufwändig präpariert. In Dortmund werden die Fische erstmals einer breiten Öffentlichkeit gezeigt.
Das Ehepaar Schwickert ist seit fast 30 Jahren in der Paläontologie tätig und machte Fossilien-Ausstellungen in ganz Deutschland, aber auch in Frankreich und Japan. Naturwissenschaftliche Museen weltweit zählen zu ihren Kunden. Michael Schwickert genießt als paläontologischer Präparator einen hervorragenden Ruf. Er bearbeitet Fossilien verschiedenster Erdzeitalter und Fundorte in seiner Werkstatt in Sulzbachtal (Rheinland-Pfalz). Die fertigen Erzeugnisse werden anschließend den Paläontologischen Instituten angeboten.
Seine Liebe zu Fossilien entdeckte Schwickert im Alter von elf Jahren, als er auf einem Bauernhof in einem Sandhaufen einen versteinerten Seeigel fand. Nach einigen begeisterten Besuchen in heimischen Museen wurde er im Alter von 15 Jahren zum richtigen Sammler. Nach dem Abitur wollte er eigentlich Tierarzt werden, widmete sich dann aber der Paläontologie.
In den 80er Jahren begann er seine Arbeit im Libanon, begleitete Ausgrabungen in Rheinland Pfalz und Hessen, machte Reisen nach Madagaskar und in die USA, um dort nach Fossilien zu graben und war einer der ersten in China, um Dinosaurier Gelege für den europäischen und japanischen Markt auszusuchen. Die letzten Jahre bearbeitete er überwiegend kreidezeitliche Fossilien aus Brasilien. Zu seiner Spezialität gehören winzig kleine und filigrane Fossilien aus der artenreichen Flora und Insektenfauna Brasiliens. Ganz neu hat er sich dem Thema „Berühmte Liebespaare“ gewidmet, zu dem auch das Ausstellungsstück „Romeo und Julia“ zählt. Sein neuester Fund ist ein etwa 1,73 langes Fossil und zwar ein großer Raubfisch, der einen kleineren Fisch frisst, von dem nur noch der hintere Teil zu sehen ist. Dieses Fossil zählt zu den seltensten Stücken des Paläontologen und ist in den letzten 20 Jahren die wohl beste Doppel-Geode, die gefunden wurde. Die Arbeit an einer solchen Geode ist aufwändig und diffizil. Schwickert ist manchmal ein bis zwei Wochen und länger, 10 bis 12 Stunden täglich, mit dem Präparieren eines einzigen Fossils beschäftig. Wichtig dabei ist, dass man die Anatomie der Fische genau kennen muss. Er entwickelte über die Jahre ein feines Gespür. Wenn er die Fossilien mit den schlagenden Druckluftwerkzeugen wie Meißel oder Feinstichel bearbeitet, hört er einen hellen Pfeifton oder merkt es an den Fingerspitzen, wann er vom Gestein auf das Fossil trifft. Dieses feine Gespür will Schwickert auch den Besuchern der Westdeutschen Mineralientage nahe bringen.
Denn neben den fertig präparierten Fossilien wird er den Besuchern der Westdeutschen Mineralientage außerdem zeigen, wie man beim paläontologischen Präparieren vorgeht. Anschließend können sich Interessierte unter fachlicher Anleitung selbst darin üben, Fossilien freizulegen.
Auch die Präsentation des Internet-Forums „steinkern.de“ auf den diesjährigen Westdeutschen Mineralientagen ist vom Ehepaar Schwickert initiiert. Aktive Mitglieder sind in Dortmund zu Gast und stellen ihre Funde vor. In diesem Jahr liegt der Themenschwerpunkt bei Jura Ammoniten und ihrer Begleitfauna. So wird Sönke Simonsen ausgewählte Stücke seiner Ostwestfalensammlung zeigen. Andreas Martin beteiligt sich mit Weißjura aus Gräfenberg und Karsten Genzel trägt Fossilien aus Südengland bei. Darüber hinaus werden von einigen Sammlern selbst gefundene Versteinerungen angeboten. Steinkern.de ist von Fossiliensammlern für Fossiliensammler gemacht, als Informations- und Diskussionsplattform für alles rund um das gemeinsame Hobby - das Sammeln, Präparieren und Präsentieren von Fossilien. Auch auf den Westdeutschen Mineralientagen dient das Steinkern-Forum dem fachlichen Austausch. Jeder Fossilienfreund kann Bestimmungsfragen stellen, Funde präsentieren, Berichte aus dem redaktionellen Bereich kommentieren und Exkursionspläne erörtern. Dabei ist es gleichgültig, ob jemand Allroundsammler oder Spezialist, Anfänger oder Profi ist.
Für die kleinen Besucher wurden Grabungsstätten auf der Messe installiert. Hier verstecken sich echte fossile Haifischzähne und Trommelsteine. Die Funde werden anhand von Bestimmungstafeln und mit Hilfe erfahrener Paläontologen direkt vor Ort identifiziert und können mit nach Hause genommen werden. Die Teilnahme ist kostenlos.
Neben einem umfassenden Angebot an Mineralien, Fossilien, Edelsteinen und Schmuck werden auf der größten und führenden Ausstellung im westdeutschen Raum auch Geräte wie Mikroskope, Diamantwerkzeuge und Ultraschallreinigungsgeräte, UV-Strahler und andere Geräte und Werkzeuge angeboten. Außerdem sorgt ein großes Angebot an Fachzeitschriften und Fachbüchern für ein zusätzliches Informationsangebot.
Medien-Information 135/ 2008 - 10.11.2008
honorarfrei - Belegexemplar erbeten

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